Harth-Ringelstein Kritik "Alles klar". WB
Freche Winterfestspiele überraschen mit Musik
Spielgemeinschaft präsentiert einfallsreiche Groteske
Westfälisches Volksblatt 31.10.2006
Von Julia R a h n
Harth (WV).
Modem und frech startete die Spielgemeinschaft Harth/Ringelstein in die neue Saison der beliebten Winterfestspiele. Auf dem Programm: die Kriminalgroteske »Alles klar« von Urs Widmer.
Auf ihre Kosten kamen nicht nur Theater-, sondern auch Musikbegeisterte. Denn die Laien-Schauspieler überraschten mit einem Improvisations-Chor und musikalischer Begleitung während des gesamten Stückes. Maßgeblich an den Neuerungen beteiligt ist Regisseur Wulf Dominicus, der die Nachfolge von Andreas Pöhler-Regenbrecht angetreten hat.
Schon der Titel des zweistündigen Stücks führt den Zuschauer aufs Glatteis eines lustigen Verwirrspiels, das sich überwiegend im Wohnzimmer des Ehepaars Schmitt abspielt. Mord, Totschlag und Banküberfälle sind die »Gesprächsthemen«, die den Alltag der Schmitts bestimmen - wenn man überhaupt von Gesprächen
etwas klar, obwohl jeder meint, den anderen zu verstehen. So häufen sich die Missverständnisse rund um die Morde des Amtsmitarbeiters Heinz Hinze (Fritz Becker).
»Alles Klar« ist eine Komödie, in der herzhaft gelacht werden darf, die jedoch auch die Probleme der modernen (Fernseh-)Gesellschaft anspricht, wie zum Beispiel Vereinsamung. Das ungewöhnliche Bühnenbild überrascht schon zu Beginn. Neben einem Staubsauger liegen allerlei Handwerkzeuge auf der Bühne, Möbel gibt es nicht, sodass fragwürdig ist, ob hier gleich wirklich eine Theateraufführung stattfindet. Schließlich geht es dann doch mit einer kleinen Aufwärmphase los, in der Dominicus und der musikalische Leiter Andreas Seifert das Publikum dazu anregen, während des Stückes als Sprechchor aktiv mitzuwirken.
Weiterer ungewöhnlicher Effekt: der Improvisations-Chor, der die Schauspieler gesanglich kommentierend und mit großer pantomimischer Ausdruckskraft begleitet. Wie ein Fernseher zeigt er die Geschehnisse, über die sich im Wohnzimmer der Schmitts unterhalten wird. Per Fernbedienung können die Chormitglieder von den übrigen Schauspielern auf der Bühne ein- und ausgeschaltet werden. Die Idee des »menschlichen Fernsehers« wurde von den Akteuren der Spielgemeinschaft selbst entwickelt und gibt dem Theaterstück eine besondere Note. Zusammen mit der musikalischen Begleitung durch Andreas Seiferts akustische Gitarre, die wie Filmmusik klingt, ähnelt das Theaterstück stark einer »Daily-Soap«. Die Spielgemeinschaft Harth-Ringelstein erhofft sich, dass durch das neue Konzept auch Jüngere angesprochen werden und sich für das Theater begeistern. Begeistern konnten die Schauspieler auf jeden Fall ihr Premierenpublikum, das mit großem Applaus die gelungene Darbietung würdigte.

