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JobAct Detmold Bericht Pressekonferenz I.LZ

Erstarren fürs Selbstbewusstsein

VON MARTIN HOSTERT

Lippischer Landesanzeiger 15.11.2006

Detmold.(LZ)
Rund herum an den Wänden hängen Silhouetten aus Packpapier. Sie sind lebensgroß - Umrisse junger Männer und Frauen. Sie haben schwarz-weiß-Fotos ihrer Gesichter auf die Papierköpfe geklebt, so weiß man, welcher Umriss wem gehört. Darunter stehen, mit Edding geschrieben, Wünsche, Ängste, Hoffnungen. Zentrales Anliegen ist offensichtlich, einen Job zu finden. Und deswegen spielen die 20 jungen Leute Theater.
Jetzt sind sie Mumien, starten mit dem ersten Ton aus dem CD-Player einen Rundgang durch die Scheune in Obernienhagen. Bleiben plötzlich stehen, verharren regungslos in ihrer Gestik. Dann tippt Theaterpädagoge Wulf Dominicus einem nach dem anderen auf die Schulter. Die Mumien erwachen, sagen Sätze wie „Ballack ist der beste" oder „Deutschland wird Weltmeister" und erstarren wieder. Das spontan aufgetragene Thema der Performance: Begegnung im Park vor dem Finale. Immer, wenn Dominicus auf Schultern tippt, müssen die Schauspieler ihren Satz sagen: „Ballack ist der beste." -„Deutschland wird Weltmeister." - „Ballack ist der Beste."
Sechs Wochen sind sie nun dabei, haben sich kennen gelernt, haben „an ihrem Selbstwertgefühl gearbeitet, sich auf einen guten Weg gebracht", wie

Dominicus erklärt. Er arbeitet für fünf Monate mit den jungen Leuten, die Arbeitslosengeld II bekommen und gerne Berufe wie Tierpflegerin, Kosmetikerin, Einzelhandelskauffrau oder Fahrzeuglackierer erlernen würden, aber nur Absagen auf Bewerbungen um eine Lehrstelle bekommen haben. Einige haben keinen Schulabschluss und monatelang „rumgehangen", andere haben an anderen Maßnahmen des ESTA-Bildungswerkes oder anderer Träger teilgenommen. Gülizar Arvis beispielsweise freut sich, mal andere Bereiche kennen zu lernen, und Rafi Koraci hat immer schon Interesse am Film oder Theater gehabt - bloß keinen Schulabschluss. Er setzt darauf, „motiviert zu werden, wenigstens die Hauptschule noch zu packen".

Aufführung im Sommertheater

Jetzt also spielen sie Theater in einem Projekt, das „Lippe pro Arbeit" mit dem ESTA-Bildungswerk ins Leben gerufen hat. „JobAct" heißt die Maßnahme, für die die „Projektfabrik Witten" gewonnen wurde. „JobAct" hat den Bundesförderpreis „Jugend in Arbeit" gewonnen. Teilnehmer orientieren und qualifizieren sich, Theater - wie Sozialpädagoge arbeiten an Stärken und Schwächen, festigen Teamfähigkeit, Sozial- und Selbstkompetenz. Dominicus: „Sie sind nicht abgeschrieben. Allein, dass sie heute hier auftreten, ist bemerkenswert.“
Sozialpädagoge Thomas Remmert setzt darauf, Kooperationspartner aus der holz- oder metallverarbeitenden Industrie oder auch Textilunternehmen für „JobAct" interessieren, zu können, die helfen und in denen die jungen Leute dann, im zweiten Teil des Projektes, ein Praktikum und schließlich - im Idealfall - eine Ausbildung beginnen.
60 junge Leute hatten sich beworben, zumeist auf Ratschlag ihres Fallmanagers. 20 wurden genommen. „Sie sind hoch motiviert", lobt Thomas Jeckel von Lippe pro Arbeit, machten astrein mit. Sie bauen Kulissen, nähen Kostüme, haben Figuren wie Rapper, Schuljungen oder Piloten entwickelt, denen sie eine Biographie andichten und Szenen auf den Leib schreiben. Nicht für den Hausgebrauch, sondern für einen Termin: Am 24. Februar wird die szenische Collage im Sommertheater aufgeführt. Dann werden die jungen Leute fünf Monte dabei sein und gelernt haben, so lange am Stück zu arbeiten wie vielleicht noch nie zuvor. Und vielleicht folgt ein Praktikum und ein Edding-Wort in der Silhouette: Azubi zum Fahrzeuglackierer.

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Pressespiegel 2006
Schlosstheater Kritik "Nachtschwärmer". NW