"Wer liebt hier wen?" bei "Kabarett in der Region"
Nur schwer zu toppen
Das 19."Kabarett in der Region" präsentiert in der Paderhalle ein spitzen Programm
Neue Westfälische 27.12.2006
VON BURKHARD BATTRAN
Paderborn.(NW)
Antje Huißmann (47) hatte einen schweren Stand. Gerade hatte sich das Publikum bei dem aus Bad Driburg stammenden Kabarettisten Thomas Philipzen (37)
warm gelacht, da musste die Paderborner Chansonette raus
auf die große Bühne der Paderhalle vor ein erwartungsfrohes 650-köpfiges Publikum, das unterhalten werden wollte.
Mit Sachen zum Lachen. Auch wenn wahrscheinlich ihr Ruf als Ulknudel Antje Huißmann die Position des Nachlegers verschafft hatte, sie ist längst zur einer wirklichen Chanson-Diva herangereift. Das bewies die Paderbornerin am Freitagabend bei der 19. Auflage zum „Kabarett in der Region". Die WDR-Traditionsveranstaltung aus Paderborn ist ein bisschen wie ein ostwestfälischer Kleinkunstpreis. Wer zum Kabarett in der Region eingeladen wird, darf sich gewissermaßen zur ersten Kleinkunst-Liga zählen.
Auch in diesem Jahr servierten die Organisatoren eine ausgewogene Mischung aus Bewährtem und überraschend Neuem. Eröffnungskünstler Thomas Philipzen gehört zur ersten Kategorie. Seit zehn Jahren kennt man den gebürtigen Bad Driburger Wortspieler, der heute in Münster lebt, als einen Meister der Leichtigkeit. Poetisch und pantomimisch mit großen Gesten und kleinen Melodien schwebte Philipzen zwischen Klavier und Bühnenmitte hin und her - immer in Bewegung auch wenn er saß. Dann perlten kleine Melodien aus seinen Fingern auf die Klaviertastatur. Philipzen stand zum ersten Mal beim Kabarett in der Region auf der Bühne.
Ebenso wie Diseuse Antje Huißmann. Begleitet vom Paderborner Pianisten Volker Kukulenz, gelang es Chansonsängerin Huißmann das Publikumsinteresse um 180 Grad zu drehen und auf Gefühl zu eichen. Ihre Lieder gingen unter die Haut und kein Laut regte sich im großen Auditorium. Es war, als hätte Antje Huißmann den großen Saal in einen kleinen intimen Raum verwandelt.
Nach der Pause durfte wieder kräftig gelacht werden. Der Bielefelder Ingo Borchers (33) ist der Kabarett-Shootingstar des Jahres 2006. Er wird als der Volker Pispers von Morgen gehandelt. Im Hochstift ist der Bielefelder Wortakrobat kein Unbekannter. Er ist regelmäßiger Gast im Altenbekener Eggemuseum und auch schon beim zwölften Kabarett in der Region stand er auf der Paderhallenbühne. Damals war Borchers noch Comedian. Inzwischen hat er den Wechsel ins anspruchsvollere Kabarettfach geschafft.
Ganz der Alte geblieben ist der Bielefelder Liedermacher Thorsten Wadowksi (36). Vor fünf Jahren war er mit seinem Duo-Partner, dem österreichischen Schauspieler Leopold Altenburg, beim Kabarett in der Region dabei. Diesmal kam Thorsten Wadowski ohne Altenburg aber dafür mit Band. Zusammen mit seinem Trio, den Zartbesaiteten, ließ es Wadowski rocken und swingen.
Drei Stunden können sehr leicht sehr lang sein. Im Fall des 19. Kabaretts in der Region verging die Zeit wie im Flug. Und im nächsten Jahr wird es richtig schwierig, das Niveau zu toppen.

