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"Wer liebt hier wen?" Kritik WB

Graue Maus wird singend Glamour-Star

Antje Huißmann: tolle Chansons

Westfälisches Volksblatt 12.05.2006

Von Thorsten B ö h n e r

Paderborn (WV).
Von Herzleid könnte jeder ein Lied singen. Antje Huißmann fackelt nicht lange - sie tut's. In ihrem neuen Programm »Wer liebt hier wen«, das am Mittwoch im Amalthea seine Feuertaufe bestand, leckt sie so manche Liebeswunde, streut gar hier und da etwas Salz darauf.
Ihre Hommage an Zarah Leander, Hildegard Knef, Claire Waldorf und Judy Winter beginnt sie im strengen Kostüm der bieder anmutenden Frau Bröselmeier-Schnurz. Hier offenbart sie die Gefühle einer - nicht nur in sexueller Hinsicht - frustrierten Ehegattin und schweift durch die Zuschauerreihen auf der Suche nach einem Hausfreund. Als sie nicht richtig fündig wird, greift sie in die Trickkiste und verwandelt sich mittels langem Schwarzen und Leopardenüberwurf zur Diva. Dieser Imagewechsel leitet die eindrucksvollste Phase ihrer Darbietung ein. In der Maske der leicht Verruchten beklagt sie das Schicksal der ewigen Zweiten der Geliebten eben.
Ihre Bühnenpräsenz ist nahezu immer greifbar, und hier ganz besonders. Der Titel wie auch das ebenso textlich ausgereifte »Gib mir was« stammen aus der Feder von Burkhard Battran, der sein Liedgut passend zugeschnitten hat auf Antjes Altstimme. Die balanciert zwischen ironischen und anderen augenzwinkernden Tönen, manchmal aber legt sich auch die Schwermut wie der Hauch der Zigarette über die Bühne. Pianist Volker Kukulenz bereitet gewandt den Klangteppich aus harmonischen Klaviertönen und fungiert auch als Ansprechpartner für die Dame des Abends.
Regisseur Wulf Dominicus hat in kongenialer Zusammenarbeit mit seiner Protagonistin jede Bewegung und jeden Blick passend nuanciert, so dass die 46-Jährige nach Liebeslust und -laune ihr Herz ausschütten darf. Eine Dame wird sie nach eigenem Bekunden nie, dafür zählt sie zu den Chansonetten mit Facetten.
Schwelgt sie gerade noch wehleidig »Liebe war es nie«, schnurrt sie alsbald »Lass mich bei dir sein«, ermuntert »Sei mal verliebt« und schmettert »Yes, Sir« als Antwort auf eine Kontaktanzeige. »Kann denn Liebe Sünde sein?«: Nicht doch. Wenn sie es in der Haut ihrer eigens erschaffenen Kunstfigur Else Mögesie zelebriert, ist das amüsant-schräg pardon, Frau Huißmann, soll heißen: erotisch. Nun gut: Im Zeitalter der künstlichen Befruchtung und Fußballweltmeisterinnen - was braucht es da noch den Mann, abgesehen bei Autopannen. Doch ganz ohne die Herren der Schöpfung und den damit verbundenen Liebesschmerz - das zieht sich wie ein roter Faden durch den Abend - wäre das Leben eine fade Suppe, die keiner auslöffeln will. Auf diese Art der Melancholie verzichten will Frau Huißmann sicher nicht, zu gern badet sie darin.
Und sind die Liebesrosen verdorrt, werden sie flugs gegen blühende ausgetaucht, und hat man die alte Liebe in die Uhr geschoben, kommt bald eine neue des Weges - wetten?

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