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Der Hauptmann von Köpenik NW

Bürger entlarvt die Obrigkeit
»Hauptmann von Köpenick« in Harth

Von Rainer Maler

Buren (WV). Als nunmehr bereits 50. Produktion bringt die Spielgemeinschaft Harth-Rin-gelstein mit »Der Hauptmann von Köpenick« ein Stück auf die Bühne in der Schützenhalle in Harth-Ringelstein, das nichts von seiner Aktualität verloren hat.

In der Regie von Wulf Dominicus haben die schauspielernden Dorfbewohner nach vier Monaten harter Arbeit eine tolle Inszenierung auf die Bühne gebracht, so dass die Darsteller nach der Premiere zu Recht mit minutenlangen stehenden Ovationen gefeiert wurden. Fast jeder kennt das berühmte Schauspiel von Carl Zuckmayer, verfilmt mit Heinz Rühmann und auch dem unvergessenen Harald Juhnke in der Hauptrolle, über Kadavergehorsam und menschenverachtende Obrigkeitshörigkeit, basierend auf der authentischen Lebensgeschichte der Schusters Wilhelm Voigt.
Der Postbeamte Fritz Becker schlüpft als Hauptdarsteller in die Rolle des bemitleidenswerten Schusters. Der Ex-Zuchthäusler Voigt besorgte sich 1906 im Kostümverleih eine Militäruniform, schnappte sich einen Trupp Gardesoldaten und besetzte das Rathaus von Berlin-Köpenick, um endlich an einen Ausweis zu kommen. Das ganze deutsche Kaiserreich amüsierte sich über den Coup des Wilhelm Voigt, der einfach nur zurück in die bürgerliche Gesellschaft wollte. Aber ohne Papiere keine Arbeit, ohne Arbeit keine Papiere, keine Aufenthaltsgenehmigung.
Wäre die Lebensgeschichte des Hauptmanns von Köpenick nicht authentisch, könnte sie als Parabel dienen für ein System, dem das,. Recht der Paragraphen über das Wohl des Menschen geht. Der arme Schuster entlarvt ein Gesellschaftssystem, in dem Schein mehr zählt als Sein, Verordnungen mehr als Menschlichkeit.

Die Mitglieder des Musikvereins Harth spielen in der aktuellen Inszenierung »live« den Ra-detzkymarsch, mehr als 30 Akteure entfachten ein buntes Wechselspiel amüsanter Szenen, bis zu fünf Rollen waren es pro Darsteller. »Extrablatt, Extrablatt!« -ein Zeitungsjunge flitzt durch den Zuschauerraum und wirft die neuesten Nachrichten ins Publikum, die Gardesoldaten ziehen im Stechschritt mit aufgepflanztem Bajonett auf, der Gefangenchor singt ein Lied aufs Kaiserreich, von einer Welt, in der »der Mensch erst beim Leutnant begann«.
In mehr als 17 verschiedenen Bühnenbildern zeigen alle Darsteller, dass sie ihr schauspielerisches Handwerk gelernt haben. Jung und Alt ist dabei, von zwölf bis 70 Jahren reicht das Alter der Schauspieler. Was sie mit Liebe zum Detail bei Bettszenen, im Obdachlosenasyl, im besetzten Rathaus zeigen, ist pures Vergnügen. Es wäre ungerecht, jemanden aus der Riege der Darsteller hervorheben zu wollen, auch wenn Fritz Becker einen an Rühmann erinnernden schelmischen Wilhelm Voigt zum Besten gibt, der mit Resignation und Witz kämpfend sich zwischen allen Obrigkeitsgläubigen seine Menschlichkeit erhält. Nur noch zwölf Mal gibt es die Chance, dieses vergnügliche Schauspiel zu sehen.

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