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Live is Live - SBO meets Schlosstheater. NW

Das Experiment ist geglückt
Zwei Großmeister der Musik bieten meisterhaftes Showprogramm

Neue Westfälische, Dienstag, 14.8.2007:

VON ROSWITHA HOFFMANN-WITTENBURG

Stahle. Vielleicht war es nur eine Frage der Zeit, dass die beiden großen Stars der Freilichtbühne Stahle, die ansonsten jeder für sich für ausverkaufte Plätze vor der romantischen Naturbühne sorgen, auch einmal gemeinsam auftreten. Nicht nach- und nebeneinander, sondern miteinander, in gemeinsamer Produktion. Mit Sicherheit war es ein außergewöhnliches Experiment, mit großen Risiken behaftet. Dass Blasmusik keineswegs verstaubt und hausbacken ist, haben die Stahler ihrer großen Fangemeinde längst bewiesen.

Aber ein traditionelles Blasorchester mit rund 60 Musikern, und sei es noch so modern eingestellt und auf der Höhe wie die Stahler, ist nun mal kein D-Zug und eine so locker-flockige Revuetruppe wie die Fürstenberger kein Bummelzug.
Die Gefahr, dass beide grandios entgleisten, war groß. Der Erfolg, den sie am Wochenende gemeinsam feierten, war größer. Das Publikum war gespannt, offen für Neues und voller Zuversicht. Und es wurde nicht enttäuscht.

Über einige kleine Schwächen und Patzer war leicht und lachend hinwegzusehen. Live ist eben live. So hatte auch Jörg Sander, der doppelte Premiere feierte und beim ersten Auftritt mit dem Fürstenberger Schlosstheater überhaupt den Einsatz seines Solos vermasselte, alle Sympathien auf seiner Seite. "Macht nichts, dann fangen wir eben noch mal an", war Wulf Dominicus, versierter Showmaster und Moderator sofort unterstützend zur Stelle. "In Stahle darf man auch zweimal kommen", erklärte er überzeugt. Das Publikum bestätigte es mit rauschendem Applaus. So gestärkt kam Jörg Sander fortan blendend durch.

Er begeisterte mit fantastischer Stimme, unter anderem mit einem Udo-Jürgens-Medley. Er war auch für das Gutenachtlied zuständig, mit dem das Publikum als letzte Zugabe schließlich verabschiedet wurde. Doch davor stand eine lange, fröhliche Gruppenreise durch die schönsten Schlagerhits und Musicalmelodien der letzten Jahrzehnte. Publikum, Orchester und Theatertruppe blieben dabei nah beieinander - so wie es sich die Stahler Musikanten bei ihrem eindrucksvollen Einmarsch mit dem Titel "Just a Closer Walk with Thee" gewünscht hatten.

Als Reiseleiter bewährten sich Schlosstheaterchefin Bärbel Mihm und Rainard Bunte, der beim Stahler Blasorchester den Takt angibt. Verbindendes Element war Moderator Wulf Dominicus, der den ersten Auftritt in Müllsack-Regencape und Gummistiefeln absolvierte, die er in Anspielung auf das Probenwetter der letzten drei Tage "Stahle-Sandaletten" nannte. Dominicus hat sein Hobby - Theater, Gesang und Regie - inzwischen zum Beruf gemacht. Entsprechend professionell trat er in ständig wechselnden Rollen auf und sorgte für soloprogrammreife beste Unterhaltung, bei der es gelang, Publikum und Akteure zu einer großen Gemeinschaft zusammenzuschweißen.

So hatten Tänzer, Sänger und Musikanten einerseits leichtes Spiel. Andererseits war offensichtlich und unüberhörbar, dass Orchester und Revuetruppe im Vorfeld ein Stück harte Arbeit geleistet hatten, sich so aufeinander ein- und abzustimmen, um jetzt als eine Einheit ein rundum gelungenes Show- und Musikereignis zu präsentieren.

Das Stahler Blasorchester verstand es hervorragend, sich zurückzunehmen, um die Stimmen zur vollen Entfaltung kommen zu lassen und trotzdem den Ton anzugeben und mit seinem ganzen Können zu glänzen. Das Ensemble überreichte einen bunten Strauß wunderbarer Melodien und schwungvoller Tänze, die auch auf schwerem, feuchtem Boden flott und leichtfüßig dargeboten wurden. Der weit gespannte Melodienbogen reichte vom "Anton aus Tirol" und einem "Robbie-Williams-Medley" über feurige Samba- und Musicalmelodien bis hin zu einem herzergreifenden "Amazing Grace", gesungen von Bianca Schwarze und mit Trompeten begleitet von Günther Borgolte und Heinz Gröne.

Tradition und Zeitgeist

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