"Mia - Das Musical" - Lippe aktuell 04.03.08
20 junge Erwachsene bringen beeindruckendes Musical auf die Bühne
Mit Kreativität, Engagement und Talent ...
Detmold (ms). Im Rahmen eines von der »Projektfabrik« organisierten Theaterprojektes für junge Erwachsene auf dem Weg in die Ausbildung wurde am vergangenen Freitag eine Show dargeboten, wie es sie im Detmolder Sommertheater nur selten gibt: »Mia – Das Musical. That‘s Life!«
Die Darsteller brachten Theater zum Jubeln
Überzeugend agierten die Darsteller und zeigten sich ihren anspruchsvollen Rollen durchaus gewachsen.
20 junge Erwachsene, die noch vor fünf Monaten keinen Bezug zum Theater oder zum Gesang hatten, haben sich zusammengefunden, um unter theaterpädagogischer Betreuung ein eigenes Stück zu kreieren und auf die Bühne zu bringen, inspiriert durch die eigenen Biographien und Erlebnisse: Die Protagonistin des Stückes ist eine junge, aus komplizierten Familienverhältnissen stammende Frau, die keinen Sinn mehr in ihrem Leben sieht und sich somit am Rande der Selbstzerstörung befindet. Als sie versucht, sich das Leben zu nehmen, erscheint ihr plötzlich der Geist Salandi in der Gestalt eines Koboldes, um sie von ihrem Suizid abzuhalten. Mia wünscht sich von ihm die Freiheit und er involviert sie in das Leben der Jungendlichen auf der Straße, gekennzeichnet von Alkohol- und Drogenmissbrauch, Arbeitslosigkeit, Hass und Gewalt. Als Mia hier fast vergewaltigt wird, entschließt sie sich gegen diese Art der Freiheit. In ihrer erneuten Verzweiflung erscheint ihr ein zweiter Geist: die wunderschöne Prinzessin Catharina, stammend aus Mias Kindheitsträumen. Sie möchte ihr die Welt der Liebe zeigen, worauf Mia allerdings nicht eingehen möchte. Sie spielt mit dem absurden Gedanken, als Prostituierte zu arbeiten, da diese wahrscheinlich noch mehr Liebe bekommen als sie. Als Prinzessin Katharina ihr nun das »fröhliche Familienleben« in einem Bordell demonstriert, wird Mia klar, dass diese Welt nur aus Gewalt, Lügen und Geldgier besteht. Mia beschließt, dass sie auch hier nichts verloren hat und ist sich sicher, dass sie nur noch durch Reichtum ihr Glück finden kann. Da erscheint ihr die »trashy-trendige« Bree, bringt sie auf eine der angesagtesten Highsociety Parties und vermittelt ihr gleichzeitig einen Job als Topmodel. Doch auch hier realisiert Mia schnell, dass diese Welt voll von Intrigen, Oberflächlichkeit und Lügen ist und findet letztendlich heraus, was sie wirklich will: »Ich bin nicht ihr, sondern ich. Und ich will es bleiben.«
Tears in heaven
Bree (Felicitas Ozorai), Emmy (Olga Schlundt) und Mia (Lena Brandts) (von links).
Das Stück war sehr unterhaltsam und gelungen konzipiert. Bei den Songs handelte es sich um bekannte Pop- und Rockstücke, meistens mit verändertem Text, aber auch mit Originaltext: »Hol den Vorschlaghammer raus« (Wir sind Helden), »Rape me« (Nirvana) oder der Klassiker »Highway to Hell«. Die musikalischen Darbietungen waren sehr engagiert, souverän, überzeugend und teilweise auch humorvoll. Sehr lobenswert ist des Weiteren das kreative Bühnenbild (an dem man bei genauer Betrachtung viele interessante Kleinigkeiten entdecken konnte) und die gelungene, glamouröse Kostümierung der Schausteller.
Das Ziel des Theaterprojektes mit dem Namen JobAct ist neben der Schulung der Selbst- und Fremdwahrnehmung der Teilnehmer, der Arbeit an ihren Stärken, Schwächen und ihrem Selbstbewusstsein auch die Unterstützung bei der Suche nach einem geeigneten Praktikums- und Ausbildungsplatz. Einem Großteil der Teilnehmer wurde bereits ein Praktikumsplatz mit Aussicht auf Übernahme in die Ausbildung vermittelt

