"Mia - Das Musical" - LZ 03.03.08
Über die Bühne in den Job
Das Leben schreibt manchmal die interssantesten Geschichten: Am Freitag feierten 20 junge Leute die Premiere von "Mia - das Musical", eines Projektes von "JobAct". Ziel ist es , den jungen Erwachsenen eine zweite Chance für eine Ausbildung zu geben. Die Akteure haben das Stück selbst entwickelt und viel Talent bewiesen, wie die Darstellerin der Mia, Lena Brandts. Foto: Karaczko
Gestatten: Leben, Autor
20 junge Erwachsene begeisterten mit „Mia - das Musical" im Sommertheater
VON MARTINA KARACZKO
■ Detmold. Die interessantesten Geschichten schreibt das Leben. Am Freitag belegte die Premiere von „Mia - Das Musical" im Sommertheater diese These beeindruckend. 20 junge Leute um die 20 und bislang ohne Ausbildung bibberten hinter der Bühne, während die Zuschauer gespannt warteten.
„JobAct", das Theaterprojekt für junge Erwachsene auf dem Weg in die Ausbildung, präsentierte bereits zum zweiten Mal die Früchte der Arbeit, die im Auftrag von „Lippe pro Arbeit" und mit Unterstützung des Esta-Bildungswerks von der „Projektfabrik" umgesetzt wurde. Ziel ist es, jungen Leuten eine zweite Chance zu geben, eine Ausbildung zu machen.
Das Bordell ist keine Familie
Die jungen Frauen stellten beeindruckend dar, dass auch das Rotlichtmilieu keine Alternative für Mia ist. Foto: Karaczko
Im Mittelpunkt des Musicals steht Mia (Lena Brandts). Die junge Frau ist kurz davor, ihr Leben zu beenden: „17 Jahre dauert mein Leben nun schon. Ich will nicht, dass noch ein weiteres Jahr hinzukommt", sagt sie. Gefühlsarmut und sexuelle Übergriffe in der Familie prägten diese 17 Jahre. Perspektivlosigkeit ist Gift für die junge Seele, deshalb wollen drei Fabelwesen ihr Wege aufzeigen: Doch das Leben auf der Straße oder in der Scheinwelt der Mode werden als Irrweg enttarnt. Auch der Ausflug ins Rotlichtmilieu ist enttäuschend. „Aber im Fernsehen sagten sie, im Bordell sei es wie in einer Familie", beklagt sich Mia, „Scheiß RTL2!" Damit offenbarten sich neben der Perspektivlosigkeit auch ein Teil der Medien als falschen Lebensberater.
Am Ende kommt Mia zu der Erkenntnis, dass sie es ist, die ihr Leben neu ordnen und sich bietende Chancen ergreifen muss. „Mia - das Musical" haben die Akteure selbst geschrieben und erarbeitet und damit Teamfähigkeit, Kreativität und Verantwortungsbewusstsein, aber auch Talent bewiesen - begleitet wurden sie von der Band „DNS". „Am Anfang der Arbeiten war da nur ein weißes Stück Papier", erklärt Wulf Dominicus, Theaterpädagoge und Re-gisseur. Die jungen Leute haben ihre Ideen umgesetzt, er habe den Prozess lediglich angestoßen. Heraus gekommen ist ein kluges, ergreifendes und dennoch humorvolles Musical, das einen zwei Stunden lang nicht loslässt und begeistert. Das Stück war voller Lebensrealität, von der Tragik bis zur Komik, ein Spiegelbild eines großen Teiles der Gesellschaft.
„Schüchternheit abgelegt"
MICHAEL MEYER
Die glücklichen Minen der Schauspieler beim frenetischen Schlussapplaus verhießen Gutes und kündigten einen Schub an, so wie Mia nun Chancen zu erkennen und aus der Starre zu erwachen. Damit wäre ein großer Schritt Richtung Ziel erreicht. Bei dieser Arbeit konnten die Akteure zudem schlummernde Fähigkeiten wecken. Michael Meyer (23) spielte eines der Fabelwesen und hat sowohl beim Drehbuch als auch beim Büh-
nenbau geholfen: „Ich konnte einen Teil meiner Schüchternheit ablegen", sagt er, der gerne Fachlagerist werden würde. Auch Hauptdarstellerin Lena Brandts (21) ging es so. Für sie stehe fest, dass sie einen kreativen Beruf ergreifen wolle. Ra-mona Richter (22) hat bereits einen Ausbildungsplatz, den sie im Sommer antreten wird. Zuvor werden alle 20 Teilnehmer ein fünfmonatiges Praktikum absolvieren.
„Nach dem ersten Projekt haben elf der 15 Teilnehmer einen Ausbildungsplatz erhalten", teilt Helmut Altenhofen, Teamleiter „U25" von Lippe pro Arbeit, mit. Er sei von der Nachhaltigkeit des Projektes überzeugt. Die jungen Erwachsenen würden lernen, dass man auch im Berufsalltag automatisch eine Rolle einnehme und manche Dinge einfach aushalten müsse und nicht nach der Kritik des Chefs alles hinschmeißen dürfe: „Das Leben ist nun mal keine Traumrolle." Landrat Friedel Heuwinkel machte Mut, denn er teilte mit, dass eine weitere Auflage mehr als wünschenswert sei.

